Skizzenqualifikation Gewerbebau Zwhatt-Areal 

Aus Sicht des Beurteilungsgremiums war die gewählte Form der Skizzenqualifikation geeignet, die drei Projekte beurteilen zu können. Die Ansätze sind von einer guten Bandbreite, Die hohe Qualität der Beiträge hat eine fundierte Diskussion ermöglicht. Wichtige Aspekte waren:

  • Das Volumen im Kontext, Bezug zum Nachbarbau (Querbau)
  • Beitrag zum Stadtboden auf Erdgeschossebene
  • Verhältnis von Infrastruktur zu Nutzung, Menge und Dimensionen
  • Flexibilität, Teilungsmöglichkeiten
  • Offenheit und Stimmung der Räume
  • Angemessenheit der Massnahmen
  • etc.

Die Diskussionen haben auch zur Klärung der Vorstellung der künftigen Nutzungen beigetragen, die im weiteren Prozess ausgearbeitet werden. Als Bild heutiger Gewerbewelten erscheint eine robuste, präsente Grundstruktur geeignet, sowohl reales, raues Gewerbe als auch feinere Tätigkeiten von „Büromenschen“ zu beherbergen. 

 

Kombiniert mit einer gewissen Leichtigkeit der Fassadenhülle – ist sich das Beurteilungsgremium einig – dass das gewählte Projekt von Graser Architekten all diesen Aspekten auf das Beste gerecht werden wird. 

Würdigung

Beitrag Graser Architekten 

Das Projekt zeigt eine sehr einfache, repetitive Struktur mit einem Stützenraster von 11.20 x 8.25m. Darauf aufbauend wird ein gerichtetes Unterzugs-Deckensystem vorgeschlagen, das auf beiden Seiten auskragt. Diese Tragstruktur ist so ausgebildet, dass in den Freiräumen an der Decke die horizontale Erschliessung der Haustechnik eingefügt werden kann. Die Räume der Auskragungen übernehmen die Feinerschliessung, je nach Teilung der Mieteinheiten. Quasi als Supplement, für den Entwurf aber essentiell, werden doppelgeschossige Bereiche offengelegt, die räumlich, funktionell und für die Atmosphäre des Hauses eine grosse Qualität ergeben. Ihre Anordnung gibt dem Gegenüber der Wohnfassade eine wohltuende Tiefe und eine diskrete Einsicht in die inneren Tätigkeiten.

Mit der Aufteilung in nur 6 Geschosse erhalten alle Räume eine grosszügige, angenehme Höhe. Zusammen mit der geschickten Lage der Vertikalerschliessungen entstehen, wie nachgewiesen, unterschiedlichste Möglichkeiten für Teilungen in Einheiten. Damit wird eine hohe Flexibilität ohne Anpassungen an der primären Struktur erreicht. Bei Einteilungen in kleine Einheiten fehlen in der mittleren Zone Vertikalinstallationen für Anschlüsse von Wasser und anderen Medien, die jedoch im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Stützenraster angeordnet werden könnten.

 

Die einfache Disposition im Inneren ergibt gute Proportionen und eine ruhige Präsenz in der städtebaulichen Einbindung. Unterstützt wird diese Präzision durch die Lage der Zugänge und deren Durchlässigkeit, die eine gute Fortsetzung der Durchgänge im Querbau sind und zusammen mit der Anordnung der Nutzungen im Erdgeschoss zur Vernetzung und Belebung des Areals beitragen.  Am wenigsten überzeugend ist das gezeigte Äussere des Gebäudes, das weder im Erdgeschoss noch in der Teilung der oberen Geschosse die Raffinesse des Inneren aufweist.

 

Die primären Festlegungen sind auf allen Ebenen von hoher Qualität, so dass die gezeigte klare Grunddisposition viel Spielraum für die weitere Entwicklung des Projektes lässt. Der Entwurf ist einfach und pragmatisch, auf den zweiten Blick aber raffiniert, fein und von einer gewissen Radikalität. Die Schnittperspektive zeigt überzeugend die Eigenschaften des Hauses, die auch Aussen zur Geltung kommen sollten. Das Projekt hat das Potenzial, die Anforderungen an ein attraktives Gewerbehaus heute und in Zukunft zu erfüllen.  

 

Empfehlungen und Punkte für die weitere Bearbeitung:

  • Anordnung und Dimension der Anlieferung.
  • Lage und Anordnung der Vertikalerschliessungen mit Warenliften, nicht zwingend symmetrisch? Anbindung des zweiten Warenliftes an die Anlieferung.
  • Dimension und Lage der Medienerschliessung, am Kern und dazwischen für kleine Einheiten (Stützen z.T. raumhaltig?).
  • Ausarbeitung Fassade als Hauptthema: bringt Holz die erwünschte Leichtigkeit? Teilungen, Oberflächen, Sonnenschutz; offene oder massive Eckausbildung.
  • Fassade EG, Bezug zum Hofraum, langfristiges (Umbau-) Potenzial bei Wegfall der Servicestrasse.

Würdigung

Beitrag Rothen Architektur   

 

Das detailliert ausgearbeitete Projekt etabliert eine regelmässige, starke Struktur, die im Inneren einen passenden Ausdruck für Gewerberäume schafft. Der Struktur entsprechend erfolgt die Erschliessung alle zwei Geschosse über einen offenen Laubengang. Durch die Lage der vertikalen Elemente, namentlich des Warenlifts ganz am Ende des Ganges, entstehen unnötig lange Erschliessungswege. Ein Personenlift wird vermisst. Die inneren Räume sind im Prinzip flexibel, mit dem leichten Handicap der mittleren Stütze, die zudem Höhenanpassungen im Untergeschoss nach sich zieht. Gezeigt werden jedoch gleichförmige Einheiten mit einer begrenzten Galeriefläche, die nicht vom Warenlift erschlossen wird und wohl eher als Büroarbeitsbereich genutzt werden könnte, mit entsprechend geringen Auflasten; die Bodenstruktur erscheint hier überdimensioniert.

Im Dachgeschoss zeigen die Verfasser, wohl aus der Anforderung der kleinen Einheiten heraus, einen ganz anders gearteten Aufbau, der additiv auf den Hauptbau aufgesetzt erscheint. Mit aufwändigen Oberlichtern versehen, würde hier eine privilegierte Attikazone entstehen, die dem Sinn des gesuchten einfachen Gewerbehauses entgegenläuft. Dieser Dachaufbau isoliert das Volumen städtebaulich ungünstig von den Nachbarn, und tritt als autonomer Aufbau in unerwünschte Konkurrenz zu den auf den Plätzen geplanten Pavillons. Unter dem Aspekt der Einbindung wirkt die explizite, komponierte Fassade sehr „designt“ und auf sich bezogen, mit wenig Empathie zum gegenüber liegenden Querbau.

Würdigung

Beitrag Burkhalter Sumi Architekten  

Der Projektbeitrag geht von einer sehr hohen Frequenz an Warenflüssen aus und entwickelt daraus die Hauptkomponenten des Entwurfs. Das ganze Erdgeschoss wird dem Warenumschlag geopfert, die Zugänge für Personen rücken ungünstig an die Peripherie des Gebäudes. Damit verpasst es das Gebäude, auf der Erdgeschossebene einen Zusammenhang zum Umraum und zu den Wegführungen zu schaffen. Die oberen Geschosse zeigen eine strikte Strukturierung, die im Positiven an allen Orten alles ermöglichen soll, wobei das Verhältnis von offenen, flexiblen Bereichen zur Struktur nicht angemessen erscheint – auch beim Weglassen einiger Lifte nicht.

Die räumliche Vorstellung mit einer aussenliegenden Erschliessung und einer durchgehenden Holzstruktur zeigt eine gewisse Offenheit, die jedoch durch die begrenzten Dimensionen und vor allem durch die als ungenügend empfundenen Raumhöhen kaum eine Grosszügigkeit und gute Nutzbarkeit entstehen lässt. 

Die Begrünung der Fassade mit den doppelgeschossigen Differenzierungen könnte eine Möglichkeit sein, ein angenehmes Gegenüber zur Wohnfassade zu schaffen. Ob dies auch die adäquate Reaktion für die Strassenseite ist, wird kritisch diskutiert. 

Der Entwurf quillt fast von Ideen über, die in der Summe als utopische Vision und Bild einer idealen, geschäftigen Warenumschlagsgesellschaft erscheinen. Von einem einfachen, offenen, flexiblen Gewerbebau ist der in vielem überspezifische Entwurf jedoch weit entfernt.

 

Skizzenqualifikation Gewerbehaus Zwhatt-Areal   

Projekt 1: Graser 

Das Projekt zeigt eine sehr einfache, repetitive Struktur mit einem Stützenraster von 11.20 x 8.25m. Darauf aufbauend wird ein gerichtetes Unterzugs-Deckensystem vorgeschlagen, das auf beiden Seiten auskragt. Diese Tragstruktur ist so ausgebildet, dass in den Freiräumen an der Decke die horizontale Erschliessung der Haustechnik eingefügt werden kann. Die Räume der Auskragungen übernehmen die Feinerschliessung, je nach Teilung der Mieteinheiten. Quasi als Supplement, für den Entwurf aber essentiell, werden doppelgeschossige Bereiche offengelegt, die räumlich, funktionell und für die Atmosphäre des Hauses eine grosse Qualität ergeben. Ihre Anordnung gibt dem Gegenüber der Wohnfassade eine wohltuende Tiefe und eine diskrete Einsicht in die inneren Tätigkeiten.

 

Mit der Aufteilung in nur 6 Geschosse erhalten alle Räume eine grosszügige, angenehme Höhe. Zusammen mit der geschickten Lage der Vertikalerschliessungen entstehen, wie nachgewiesen, unterschiedlichste Möglichkeiten für Teilungen in Einheiten. Damit wird eine hohe Flexibilität ohne Anpassungen an der primären Struktur erreicht. Bei Einteilungen in kleine Einheiten fehlen in der mittleren Zone Vertikalinstallationen für Anschlüsse von Wasser und anderen Medien, die jedoch im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Stützenraster angeordnet werden könnten.

 

Die einfache Disposition im Inneren ergibt gute Proportionen und eine ruhige Präsenz in der städtebaulichen Einbindung. Unterstützt wird diese Präzision durch die Lage der Zugänge und deren Durchlässigkeit, die eine gute Fortsetzung der Durchgänge im Querbau sind und zusammen mit der Anordnung der Nutzungen im Erdgeschoss zur Vernetzung und Belebung des Areals beitragen.  Am wenigsten überzeugend ist das gezeigte Äussere des Gebäudes, das weder im Erdgeschoss noch in der Teilung der oberen Geschosse die Raffinesse des Inneren aufweist.

 

Die primären Festlegungen sind auf allen Ebenen von hoher Qualität, so dass die gezeigte klare Grunddisposition viel Spielraum für die weitere Entwicklung des Projektes lässt. Der Entwurf ist einfach und pragmatisch, auf den zweiten Blick aber raffiniert, fein und von einer gewissen Radikalität. Die Schnittperspektive zeigt überzeugend die Eigenschaften des Hauses, die auch Aussen zur Geltung kommen sollten. Das Projekt hat das Potenzial, die Anforderungen an ein attraktives Gewerbehaus heute und in Zukunft zu erfüllen.

Download Einreichung PDF (13MB) 


  

Projekt 2: Rothen

Das detailliert ausgearbeitete Projekt etabliert eine regelmässige, starke Struktur, die im Inneren einen passenden Ausdruck für Gewerberäume schafft. Der Struktur entsprechend erfolgt die Erschliessung alle zwei Geschosse über einen offenen Laubengang. Durch die Lage der vertikalen Elemente, namentlich des Warenlifts ganz am Ende des Ganges, entstehen unnötig lange Erschliessungswege. Ein Personenlift wird vermisst. 

 

Die inneren Räume sind im Prinzip flexibel, mit dem leichten Handicap der mittleren Stütze, die zudem Höhenanpassungen im Untergeschoss nach sich zieht. Gezeigt werden jedoch gleichförmige Einheiten mit einer begrenzten Galeriefläche, die nicht vom Warenlift erschlossen wird und wohl eher als Büroarbeitsbereich genutzt werden könnte, mit entsprechend geringen Auflasten; die Bodenstruktur erscheint hier überdimensioniert. 

 

Im Dachgeschoss zeigen die Verfasser, wohl aus der Anforderung der kleinen Einheiten heraus, einen ganz anders gearteten Aufbau, der additiv auf den Hauptbau aufgesetzt erscheint. Mit aufwändigen Oberlichtern versehen, würde hier eine privilegierte Attikazone entstehen, die dem Sinn des gesuchten einfachen Gewerbehauses entgegenläuft. Dieser Dachaufbau isoliert das Volumen städtebaulich ungünstig von den Nachbarn, und tritt als autonomer Aufbau in unerwünschte Konkurrenz zu den auf den Plätzen geplanten Pavillons. Unter dem Aspekt der Einbindung wirkt die explizite, komponierte Fassade sehr „designt“ und auf sich bezogen, mit wenig Empathie zum gegenüber liegenden Querbau. 

Download Einreichung PDF (4MB) 

 

Projekt 3: Burkhalter Sumi

Der Projektbeitrag geht von einer sehr hohen Frequenz an Warenflüssen aus und entwickelt daraus die Hauptkomponenten des Entwurfs. Das ganze Erdgeschoss wird dem Warenumschlag geopfert, die Zugänge für Personen rücken ungünstig an die Peripherie des Gebäudes. Damit verpasst es das Gebäude, auf der Erdgeschossebene einen Zusammenhang zum Umraum und zu den Wegführungen zu schaffen. 

 

Die oberen Geschosse zeigen eine strikte Strukturierung, die im Positiven an allen Orten alles ermöglichen soll, wobei das Verhältnis von offenen, flexiblen Bereichen zur Struktur nicht angemessen erscheint – auch beim Weglassen einiger Lifte nicht. 

 

Die räumliche Vorstellung mit einer aussenliegenden Erschliessung und einer durchgehenden Holzstruktur zeigt eine gewisse Offenheit, die jedoch durch die begrenzten Dimensionen und vor allem durch die als ungenügend empfundenen Raumhöhen kaum eine Grosszügigkeit und gute Nutzbarkeit entstehen lässt. 

 

Die Begrünung der Fassade mit den doppelgeschossigen Differenzierungen könnte eine Möglichkeit sein, ein angenehmes Gegenüber zur Wohnfassade zu schaffen. Ob dies auch die adäquate Reaktion für die Strassenseite ist, wird kritisch diskutiert. 

 

Der Entwurf quillt fast von Ideen über, die in der Summe als utopische Vision und Bild einer idealen, geschäftigen Warenumschlagsgesellschaft erscheinen. Von einem einfachen, offenen, flexiblen Gewerbebau ist der in vielem überspezifische Entwurf jedoch weit entfernt. 

Download Einreichung PDF (4MB)  

 
 

Zusammenfassung 

Aus Sicht des Beurteilungsgremiums war die gewählte Form der Skizzenqualifikation geeignet, die drei Projekte beurteilen zu können. Die Ansätze sind von einer guten Bandbreite, Die hohe Qualität der Beiträge hat eine fundierte Diskussion ermöglicht. Wichtige Aspekte waren:

  • Das Volumen im Kontext, Bezug zum Nachbarbau (Querbau)
  • Beitrag zum Stadtboden auf Erdgeschossebene
  • Verhältnis von Infrastruktur zu Nutzung, Menge und Dimensionen
  • Flexibilität, Teilungsmöglichkeiten
  • Offenheit und Stimmung der Räume
  • Angemessenheit der Massnahmen
  • etc.


Die Diskussionen haben auch zur Klärung der Vorstellung der künftigen Nutzungen beigetragen, die im weiteren Prozess ausgearbeitet werden. Als Bild heutiger Gewerbewelten erscheint eine robuste, präsente Grundstruktur geeignet, sowohl reales, rauhes Gewerbe als auch feinere Tätigkeiten von „Büromenschen“ zu beherbergen. 

 

Kombiniert mit einer gewissen Leichtigkeit der Fassadenhülle – ist sich das Beurteilungsgremium einig – dass das gewählte Projekt von Graser Architekten all diesen Aspekten auf das Beste gerecht werden wird. 

 

Empfehlungen und Punkte für die weitere Bearbeitung:

  • Anordnung und Dimension der Anlieferung.
  • Lage und Anordnung der Vertikalerschliessungen mit Warenliften, nicht zwingend symmetrisch? Anbindung des zweiten Warenliftes an die Anlieferung.
  • Dimension und Lage der Medienerschliessung, am Kern und dazwischen für kleine Einheiten (Stützen z.T. raumhaltig?).
  • Ausarbeitung Fassade als Hauptthema: bringt Holz die erwünschte Leichtigkeit? Teilungen, Oberflächen, Sonnenschutz; offene oder massive Eckausbildung.
  • Fassade EG, Bezug zum Hofraum, langfristiges (Umbau-) Potenzial bei Wegfall der Servicestrasse.